Neumarkter Passionsspiele 2019

Die Neumarkter Passionsspiele bauen auf eine lange Tradition. Das heute aufgeführte Spiel vom Leiden und Sterben Christi ist eine literarische Neuschöpfung aus dem ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit rief man die Erinnerung an die ältere, im Zuge der Aufklärung erloschene Passionsspieltradition wieder wach. Mittlerweile hat sich die Neumarkter Spielgemeinschaft einen wichtigen Platz in der lebendigen Passionsspiellandschaft erobert, als Mitglied der EUROPASSION, der über 90 Passionsspielorte aus 15 Ländern Europas angehören, pflegt man einen internationalen Erfahrungsaustausch.

Wie alles begann…
Die Anfänge der „Passion“ reichen in die Zeit der Gegenreformation und katholischen Erneuerung zurück. Entscheidende Impulse dürften von den Kapuzinern ausgegangen sein, die 1627 in Neumarkt einzogen und auf sinnenhafte Weise, u. a. mit Prozessionen und geistlichen Spielen, die Frömmigkeit der Bevölkerung zu vertiefen und zu vermehren suchten. Am Karfreitag zogen die Gläubigen durch die Stadt, in die Umzüge waren kleine Spielszenen eingebettet. Später errichtete man vor dem Rathaus ein „Theatrum“ als Bühne für „eine Trauer comedi“. Mit großer Anteilnahme und Begeisterung nahm die Bevölkerung diese geistlichen Inszenierungen auf und wehrte sich leidenschaftlich gegen deren Abschaffung, die seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Staat und Kirche im Geiste der Aufklärung gefordert wurde. Doch alles Bitten war vergeblich: 1793 durften die Neumarkter nur noch das Grab Christi durch die Stadt tragen, danach scheint das zähe Ringen der spielfreudigen Gemeinde ein Ende gefunden zu haben

Neubeginn
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Neumarkt wieder religiöses Theater gemacht. 1901 zeigte eine Schar von Laienspielern, größtenteils Mitglieder des Katholischen Gesellenvereins, im Kolpinghaus vier Szenen der Leidensgeschichte Jesu in Art eines Singspiels. Mit einer Neudichtung, einem in Blankversen verfassten Spiel aus der Feder des Katecheten Roman Mayr, wurde dann 1922 endgültig eine neue Tradition begründet. In 14 Bildern brachte er das biblische Geschehen in aufrührender Weise auf die Bühne. Die Aufführungen fanden eine begeisterte Resonanz. Bei Mitspielern und Publikum waren tiefe Anteilnahme und Ergriffenheit spürbar. Der sofort gefasste Plan, die Spiele nach fünf Jahren zu wiederholen, scheiterte allerdings an den Zeitumständen.

Erst lange Jahre später, 1959 und 1964, wurde das Spiel im Kolpinghaus wieder aufgeführt. Danach folgte wiederum, bedingt durch die theologische Diskussion während des II. Vatikanischen Konzils, eine längere Pause bis 1984. Die textliche Überarbeitung übernahm Stadtpfarrer Kaspar Hirschbeck. Seit 1989 bringt die Spielgemeinschaft die Botschaft vom Geheimnis des Kreuzes in einem 10-Jahres-Rhythmus auf die Bühne, seit 1999 in einer von dem Neumarkter Studiendirektor Hans G. Hirn unter Berücksichtigung neuer historischer und theologischer Erkenntnisse revidierten Fassung. 1989, 1999 und 2009 konnten jeweils mehr als 20.000 Zuschauer die Darstellung der „Passion“, welche die christliche Botschaft in eindringlicher Form vermittelt, zutiefst beeindruckt miterleben. Seit 1999 lag die Spielleitung in Händen von Gerhard Hein; die Aufgabe der Organisationsleitung übernahm Franz Nüßlein, der langjährige Vorsitzende der Kolpingsfamilie Neumarkt.
Unter der Regie von Michael Ritz erfolgt 2019 eine „Neuauflage“ der Neumarkter Passionsspiele, die wiederum ihre charismatische Überzeugungskraft entfalten werden. In eindringlicher Weise versteht es die Laienspielgemeinschaft, das lokale christliche Erbe in volksnaher Form zu bewahren, zu pflegen und sinnlich zu vergegenwärtigen.